Krankentransporte kosten extra – Wenn Krankheit zum Luxus wird
Chronisch Kranke und Pensionisten sollen plötzlich für notwendige Fahrten bezahlen. Bei der Gesundheitsversorgung wird gespart – ausgerechnet dort, wo Menschen kaum eine Wahl haben
Wer regelmäßig zur Dialyse muss, eine medizinisch notwendige Therapie benötigt oder aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst ins Krankenhaus fahren kann, hat sich seine Situation ohnehin nicht ausgesucht. Nun kommen für viele Betroffene auch noch zusätzliche Kosten für Krankentransporte hinzu. Was auf dem Papier vielleicht wie ein überschaubarer Selbstbehalt aussieht, kann für Menschen mit kleiner Pension oder chronischer Erkrankung rasch zu einer spürbaren finanziellen Belastung werden.
Die Österreichische Gesundheitskasse hat die Bedingungen für Krankentransporte eingeschränkt und Selbstbehalte eingeführt. Laut den vorliegenden Angaben erhalten rund 87.000 Versicherte Rechnungen für entsprechende Fahrten. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie weit darf bei der Gesundheitsversorgung gespart werden, bevor aus einer finanziellen Maßnahme ein soziales Problem wird?
Eine Fahrt zur notwendigen Behandlung ist schließlich weder ein Ausflug noch eine freiwillige Zusatzleistung. Wer regelmäßig medizinische Hilfe benötigt, muss auch dorthin gelangen können. Besonders für Dialysepatienten und andere chronisch Kranke sind solche Transporte häufig ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer Versorgung. Ohne die Fahrt gibt es keine Behandlung – so einfach ist das.
Besonders schwierig wird die Situation für Pensionisten mit niedrigen Einkommen und Menschen, die auf dem Land leben. Dort sind die Wege zu Krankenhäusern, Ambulanzen und Therapieeinrichtungen oft länger. Wenn bei jeder notwendigen Fahrt ein zusätzlicher Betrag anfällt, summieren sich die Kosten schnell. Was für manche Verantwortliche nach einer kleinen Gebühr klingt, kann für Betroffene am Monatsende durchaus einen Unterschied machen.
Offenbar soll der Versicherte nun einen Teil der finanziellen Probleme der Gesundheitskasse selbst ausgleichen. Dabei haben die Menschen über Jahrzehnte Beiträge bezahlt, gerade damit sie im Krankheitsfall auf ein funktionierendes Versorgungssystem zurückgreifen können. Dass ausgerechnet dann zusätzliche Rechnungen ins Haus flattern, wenn jemand besonders auf Hilfe angewiesen ist, dürfte bei vielen wenig Begeisterung auslösen.
Natürlich muss auch eine Krankenkasse wirtschaftlich arbeiten. Steigende Ausgaben verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert. Doch Sparmaßnahmen sollten dort ansetzen, wo tatsächlich Einsparungspotenzial besteht – bei ineffizienten Abläufen, unnötiger Bürokratie und überbordenden Verwaltungsstrukturen. Notwendige medizinische Leistungen zu verteuern, ist dagegen eine fragwürdige Form der Kostenkontrolle.
Und die politische Verantwortung lässt sich ebenfalls nicht einfach an die Versicherten weiterreichen. ÖVP, SPÖ und NEOS müssen sich die Frage gefallen lassen, wie sie eine langfristig tragfähige Finanzierung des Gesundheitssystems sicherstellen wollen, ohne Patienten immer neue Belastungen aufzubürden. Ein Gesamtkonzept sollte mehr bieten als Einschränkungen, Gebühren und die Hoffnung, dass sich die Betroffenen schon irgendwie arrangieren werden.
Denn die eigentliche Gefahr liegt nicht allein in der Rechnung für eine einzelne Fahrt. Sie liegt darin, dass Menschen aus finanziellen Gründen notwendige Behandlungen hinauszögern oder auf Unterstützung verzichten könnten. Wenn Patienten sich zunehmend fragen müssen, ob sie sich den Weg zur Behandlung leisten können, läuft im System etwas grundlegend falsch.
Krankheit ist keine freiwillige Ausgabe, und ein Krankentransport ist für viele Menschen kein Luxus. Wer eine faire Gesundheitsversorgung verspricht, muss dafür sorgen, dass notwendige Behandlungen nicht an den Kosten der Anreise scheitern.
Gespart werden muss dort, wo Geld tatsächlich ineffizient eingesetzt wird – nicht bei jenen, die krank, alt oder auf regelmäßige medizinische Hilfe angewiesen sind. Denn ein Gesundheitssystem sollte Menschen im Krankheitsfall Sicherheit geben. Es sollte ihnen nicht zusätzlich die Sorge bereiten, ob sie sich ihre nächste Behandlung überhaupt noch leisten können.
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- Beitrag veröffentlicht:12. Oktober 2026